Reisebericht Erzgebirge

Ich wollte es wissen: Schaft man es in 3,5 Tagen von Hof bis Dresden über die Erzgebigs Südroute durch Tschechien. Es Geht, aber! Man muss leidensfähig sein. Ich war unter der Woche bei Temperaturen über 30 Grad unterwegs. Über weite Strecken keinerlei Infrastruktur. Absolut einsame Strecken auf meist geteerten Forstwegen. Ich werde es wieder machen, aber in anderen Etappen.

 

Juni 2015, die Wettervorhersage ist gut. Kurzentschlossen habe ich den Rucksack gepackt.

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Lost Places

 

Dienstag: Hof - Bublava, 74 km 1250Hm

Früh aufstehen war angesagt. Anfahrt mit dem Zug nach Hof. 10:30h Abfahrt in Hof. Kurz vor der Tschechichen Grenze versorge ich mich in einer mir bereits bekannten Metzgerei mit einer Brotzeit, wohlwissend, dass der Tag lang und die Infrastruktur bescheiden ist.

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Dreiländereck

Der Grenzübertritt erfolgt im Dreiländereck Bayern - Böhmen - Sachsen. Kurze Brotzeit und weiter geht's. Für heute habe ich mir eine etwas kürzere Strecke quer durchs Vogtland vorgenommen. In Bad Elster Mittagspause und Tankstop an einem kleinen See. Über Nebenstrassen  und Forstwege geht es weiter. Den geplanten "grünen" Grenzübergang nach Cz gab es nicht, ich musste weiter und einen offiziellen Grenzübergang nehmen. In Luby (15h) suche nach einem Gasthaus - Fehlanzeige - also weiter über Nebenstrecken und Forstwege. 16:45h Ankunft in Bublava.

 

Mittwoch: Bublava - Rudolice, 94 km 1700 Hm

Ab jetzt geht es in unbekanntes Terain. Nach einer kurzen Abfahrt geht es gleich 6 km bergauf mit 8-10% Steigung. Wenn das so weitergeht - na dann!

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Hochebene

Der Anstieg wird aber mit einer schönen Hochebene bezahlt. So darf es weitergehen. Die Temperatur steigt, wo bleibt die Infrastruktur?

 

Gegen 11:30h erreiche ich Bozi Dar. Eine Gaststätte neben der anderen. Auf meinen Touren im Outback habe ich gelernt "ergreife die Verpflegungsmöglichkeiten wo es geht". Im nachhinein die beste Entscheidung des Tages. Noch ein kurzer Anstieg und die Sicht ist frei auf Oberwiesental. Temperatur über 30 Grad, ständiges bergauf bergab. Bei einem kurzen Orientierungsstopp versinken Bike und ich im weichen Teer. Nichts wie weiter und auf die nächste Forstpiste hoffen. 15h, Flüssigkeitsnachschub währe gut, aber kein Biergarten in Sicht. 15.50h - endlich ein Hinweisschid auf eine Pension. Nichts wie  hin. Bergauf! Pension hat geschlossen! Auf die Deutsche Seite wechseln und mein Glück probieren oder weiterfahren? Ich entscheide mich nach Kartenstudium für's weiterfahren.

Um 16:50h, an einem Dorfrand dann das ersehnte Schid: Pivo

Nach dem zweiten Bier frage ich nach einer Pension. Der Wirt schaut in die Küche zu seiner Frau, dann zu mir und sagt "Ja". Ich "hier?" Er "Ja, 7 Euro, 3 Euro Früstück, 6 Uhr Früstück, er muss 6:15h zur Arbeit". Ich schlage zu. Es ist eine sehr einfache Pension. Aber sauber und alle sind freundlich.

Donnerstag: Rudolice - Sneznik, 90 km 1600Hm

5:30h Aufstehen, ich will ins einzige Bad bevor die auch hier übernachtende Montagetruppe alles blockiert. Punkt 6 Uhr steht das Früstück auf dem Tisch. Der Wirt bringt die Rechnung: 16 Euro, Übernachtung, Frühstück, Abendessen und eine Menge Bier vom Vorabend. Was will man mehr. 

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Ein letzter Blick auf die Pension

6:20h sitze ich auf dem Bike.Ein letzter Blick zurück auf die Pension. Noch habe ich angenehme Temperaturen. Nach ca. 3 Stunden weist ein Radwegweiser nach links, mein Navi sagt geradeaus. Ich entscheide mich für links. Es geht auf einer losen Schotterpiste steil bergab. Mir ist schnell klar, das dieses der falsche Weg ist. Die üble Schotterpiste zurück mag ich aber auch nicht. Also weiter und kurze Zeit später auf die deutsche Seite wechseln und über die Nordroute weiterfahren. Kurz nach 10 Uhr ein Hinweisschild auf einen Berggasthof. Hochkurbeln, Flüssigkeitsnachschub währe angebracht. Es ist eine Schneiderfahrt. Der Gasthof öffnet erst um 11 Uhr, also weiterfahren, wird ja hoffentlich noch andere Gasthöfe geben.

Gegen Mittag, die Sonne brennt wieder heftig, sehe ich in einem Ort einen mobilen Bäckereiverkäufer. Anhalten und ein Bier und was Essbares bestellt. Die Verkäuferin: Bier hab ich nicht. Eine Kundschaft auf bestem sächsisch: Ein Bier kannst von mir haben. Meine Alarmglocken schrillen. Die Frage nach einem Gasthof wird mit ungläubigen Blicken erwiedert. Gasthäuser gibt es hier nicht. Also nehme ich das Angebot der Kundschaft an und setzte mich ein paar Meter weiter auf ihre Terasse. Kurze zeit später kommt ihr Mann und setzt sich zu mir. Es wird ein interessantes Gespräch und mehrere Biere.

Aber irgendwann muss ich ja doch weiter. Gestärkt verlasse ich meine Gastgeber.

Gegen 14:30h geht es über die grüne Grenze wieder auf die tschechiche Seite. Kurze Zeit später höre ich Wanderer. Es werden immer mehr. Ich bin wieder in der Zivilisation angekommen. An einem Wanderparkplatz dann der erste Gasthof des heutigen Tages. Anhalten und den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Um 16:30h erreiche ich dann ein Hotel und lasse den Tag ausklingen.

Freitag: Sneznik - Dresden, 62 km 270 Hm

Heute habe ich eine Deadline: ich muss spätestens 14:30h am Hbf Dresden den Zug erreichen. Sollte leich machbar sein da es von hier aus nur noch bergab zur Elbe geht.

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Bastei

Erst geht es noch leicht berauf und bergab bis es dann bei Königstein hinunter zur Elbe geht. Ich bin im Touristenrummel angekommen. Bei dem schönen Wetter sind unmengen an Radfahrern auf dem Elberadweg unterwegs. War es doch in den Bergen schön ruhig. Was soll's, hat auch was gutes, beste Infrastruktur, ich gönne mir gleich eine Pause. Kurz vor Dresden dann noch eine Mittagspause. Irgendwie schmeckt mir das Bier nicht mehr, da ist was mit meinem Magen nicht in Ordnung. Noch 10 km bis zum Hauptbahnhof. Ankunft 14 Uhr: Punktlandung.

Die Heimfahrt mit dem Zug ist dann nicht Toll: mein Magen streikt!

Ich werde es wieder machen. Dann aber mindestens einen Tag länger und eine Rundfahrt durch das Elbsandsteingebirge anhängen.